Wellen und Bolzen: Was die Zeichnung angeben muss
Lange Wellen, Bolzen mit Kopf, Wellenenden und Passfedernut: Welche Angaben die Zeichnung braucht und was „konventionell“ oder „CNC“ dabei bedeutet.
Welle oder Bolzen: Unterschied und gemeinsame Angaben
Eine Welle trägt und überträgt: Sie liegt in Lagern, nimmt Räder, Kupplungen oder Scheiben auf und leitet ein Drehmoment weiter. Ein Bolzen verbindet oder führt: Er hält zwei Teile zueinander, dient als Achse eines Gelenks oder als Anschlag. Der Unterschied liegt in der Aufgabe, und er zeigt sich an der Gestalt. Wellen sind lang im Verhältnis zum Durchmesser und tragen mehrere Absätze; Bolzen sind kürzer und haben meist einen Kopf oder ein Gewindeende.
Beide brauchen auf der Zeichnung dieselben Grundangaben. Die Bezugsachse legt fest, auf welche Achse sich alle Lage- und Laufangaben beziehen. Die Absätze sind mit Durchmesser und Lage bemaßt, und wo ein Gewinde endet, sagt die Zeichnung, wie. Die Begriffe selbst stammen aus der Lehre der Maschinenelemente; die Einordnung auf dieser Seite ist eine Ordnungshilfe.
Lange Drehteile eindeutig bemaßen
Je länger ein Teil im Verhältnis zum Durchmesser ist, desto mehr hängt an der Maßkette.
Bei langen Drehteilen gilt dieselbe Regel wie bei allen: Die Längenmaße gehen von einer Bezugsfläche aus, und eine Kette über die ganze Länge vermeidet man. Jeder Absatz wird vom Bezug aus bemaßt, die Gesamtlänge steht zusätzlich als Gegenprobe. So lässt sich jedes Maß einzeln prüfen, ohne die Abweichungen der Nachbarmaße mitzurechnen.
Lange Teile verlangen außerdem eine Aussage dazu, wie gerade sie sein sollen und wie rund sie zur Achse laufen. Der Rundlauf zur Bezugsachse gehört dazu, wenn Lagerstellen sauber fluchten sollen. Wie Rundlauf und Koaxialität im Einzelnen definiert sind, regelt ISO 1101; hier zählt nur, dass sie als Zeichnungselement mit Bezug erscheinen.
Eine Aussage zur Machbarkeit oder zum Aufwand langer Teile macht diese Seite nicht. Sie beschreibt, was die Zeichnung festhalten muss, damit ein Angebot auf ihr aufbauen kann. Ob und wie das Teil geliefert werden kann, entscheidet das Angebot, und Rückfragen dazu stellen wir, bevor wir anbieten.
Wellenenden, Passfedernut, Zentrierbohrung
Drei Angaben, die am Ende einer Welle gern fehlen.
Wellenende und Passfedernut
Am Wellenende sitzt, was die Welle antreibt oder von ihr angetrieben wird. Soll ein Drehmoment über eine Passfeder übertragen werden, gehört die Nut auf die Zeichnung: mit Lage, Länge, Breite und der Angabe, wie sie zur Achse und zur Stirnfläche liegt. DIN 6885-1 beschreibt die Passfedern und ihre Nuten; die Zeichnung nennt die Norm oder bemaßt die Nut selbst.
Zentrierbohrung
Eine Zentrierbohrung an der Stirnfläche ist bei langen Wellen üblich, aber nicht selbstverständlich. Die Zeichnung muss sagen, ob sie am fertigen Teil verbleibt, entfällt oder nur als Rest zulässig ist, am besten als Vermerk neben der Stirnseite. Die Formen regelt DIN 332-1. Ohne Vermerk ist unklar, ob ein verbliebener Rest der Bohrung zulässig ist.
Kopf, Gewindeende und Sicherungsnut beim Bolzen
Beim Bolzen übernehmen andere Stellen die Rolle der Wellenenden. Der Kopf braucht seine Form und Höhe, denn er bestimmt, wie der Bolzen anliegt. Das Gewindeende wird mit Gewinde, Länge und Auslauf beschrieben, und eine Nut für einen Sicherungsring gehört mit Lage und Breite in die Zeichnung. Der Kantenzustand an Kopf und Ende wird festgelegt, weil er die Montage berührt.
Konventionell oder CNC: was die Zeichnung dazu sagt
Eine Zeichnung zeigt, wie das Teil aussehen soll, nicht, wie es entsteht.
In Anfragen taucht manchmal der Ausdruck „konventionelle Drehteile“ auf, ebenso „CNC-Drehteile“. Beide beschreiben, wie ein Teil üblicherweise entstanden ist oder entstehen soll, nicht, wie es aussieht. Eine Zeichnung ist für beide Fälle gleich: Sie legt Form, Maße, Werkstoff und Anforderungen fest.
Ein Hinweis zum Verfahren ist deshalb keine Zeichnungsangabe, und die Anfrage kommt ohne ihn aus. Maßgeblich sind Maße, Werkstoff und Stückzahl; wo ein Verfahren die Funktion des Teils berührt, etwa eine bestimmte Oberflächenstruktur, gehört die Anforderung in die Zeichnung, nicht der Weg. Wer sicher gehen will, schreibt die Anforderung als Eigenschaft des Teils auf und überlässt die Wahl des Wegs dem Angebot.
Häufige Fragen
Wellen sind lang im Verhältnis zum Durchmesser und tragen Lagerstellen; Bolzen sind kürzer und haben meist Kopf oder Gewindeende. Mischformen kommen vor, der Finder zeigt sie als solche und nennt dann beide Angabenlisten.
Nein. Eine Zeichnung hält fest, wie das Teil aussehen soll; wie es entsteht, steht nicht in ihr. Maßgeblich sind Maße, Werkstoff und Stückzahl, dazu alles, was die Funktion des Teils berührt.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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Zeichnung und Modell genügen, das Ergebnis des Finders ist ein willkommener Zusatz. Bleibt eine Stelle unklar, rufen wir an oder schreiben Ihnen, ehe wir etwas anbieten.