Buchsen, Flansche und Ringe: Was die Zeichnung angeben muss
Innendurchmesser, Bohrbild, Planlauf und Dichtfläche: Welche Angaben Buchse, Flanschteil und Ring in der Zeichnung brauchen und was Rückfragen auslöst.
Buchse: Innen und Außen zueinander
Bei einer Buchse arbeiten zwei Durchmesser zusammen, der innere und der äußere. Der Innendurchmesser trägt meist die Funktion, er nimmt einen Zapfen, eine Welle oder ein Lager auf, und deshalb gehört zu ihm die Sitzart: Soll der Zapfen gleiten, sitzen oder gepresst werden? Ein Nennmaß allein lässt das offen. Das Passungssystem dazu steht in ISO 286-1; für die Anfrage genügt, dass die Zeichnung am Innendurchmesser eine Toleranzklasse oder Abmaße trägt und die gewünschte Paarung benennt.
Der Außendurchmesser sitzt in einem Gehäuse oder einer Bohrung und braucht dieselbe Aussage. Beide Durchmesser müssen zueinander passen, und die Zeichnung sagt, wie genau: Die Koaxialität von Innen zu Außen beschreibt, wie weit die beiden Achsen auseinanderliegen dürfen. Hinzu kommen die Stirnflächen, die rechtwinklig zur Achse stehen sollen, und ein eventueller Bund mit seiner Anlagefläche, die ebenfalls einen Bezug und eine Aussage zur Ebenheit braucht, wenn die Buchse dort anliegt.
Rundlauf und Koaxialität sind Zeichnungselemente mit Bezug; ihre Definition steht in ISO 1101. Für die Anfrage reicht es, dass die Zeichnung angibt, welcher Durchmesser Bezug ist.
Flansch: Teilkreis, Zentrierung, Anlagefläche
Ein Flansch verbindet, deshalb zählen die Flächen, an denen er anliegt.
Am Flansch beginnt die Zeichnung mit dem Bohrbild: Durchmesser des Teilkreises, Zahl und Durchmesser der Bohrungen und ihre Lage zueinander. Daneben steht die Zentrierung, also der Absatz, der den Flansch am Gegenstück ausrichtet, meist als Spiegel oder Zentrierbund bezeichnet. Ohne sie ist offen, woran der Flansch sich ausrichtet. Das wirkt sich auf die Montage aus: Ein Flansch ohne Zentrierung wird über die Schrauben ausgerichtet und liegt dann so, wie die Bohrungen es zulassen, nicht so, wie die Konstruktion es wollte.
Die Anlagefläche soll flach auf dem Gegenstück liegen. Dafür gibt die Zeichnung den Planlauf zur Bezugsachse an. Wird zwischen den Flanschen eine Dichtung eingelegt, kommt die Dichtfläche hinzu, und sie braucht eine Oberflächenangabe, weil die Dichtung auf der Struktur der Fläche aufliegt.
Die Oberflächenangabe richtet sich nach ISO 21920-1, dem Nachfolger der älteren Norm zur Oberflächenbeschaffenheit. Ohne Angabe gilt an der Fläche keine Anforderung, und das Angebot nimmt keine an. Wer eine Dichtfläche hat, sollte sie also ausdrücklich bezeichnen und mit einer Angabe versehen; Zahlenwerte nennt diese Seite bewusst nicht, denn sie gehören in die Zeichnung des Teils.
Verschraubungsteil, Scheibe und Ring
Zwei weitere Bauformen mit eigenen Schwerpunkten.
Verschraubungsteil
Ein Verschraubungsteil schließt etwas an: eine Leitung, einen Schlauch, einen Sensor. Seine Zeichnung braucht das Gewinde mit Art und Länge, die Schlüsselfläche, über die es angezogen wird, und eine Aussage zum Medium, das hindurchströmt. Liegt die Dichtung im Gewinde oder an einer Fläche daneben, muss auch das stehen. Rohrgewinde benennt man je nach Dichtung im Gewinde oder daneben nach ISO 7-1 beziehungsweise ISO 228-1; die Zeichnung nennt die Norm der Gewindeart, damit nichts geraten werden muss. Dazu kommt die Gewindelänge bis zur Schulter und die Aussage, ob ein Auslauf zulässig ist.
Scheibe und Ring
Scheiben und Ringe sind flach, ihre Funktion hängt an zwei Dingen: dass die beiden Flächen zueinander parallel sind und dass Innen- und Außendurchmesser dieselbe Achse haben. Die Planparallelität und die Konzentrizität gehören deshalb auf die Zeichnung, dazu der Zustand der Kanten. Bei dünnen Ringen kommt hinzu, dass sie sich beim Spannen oder Fügen verformen können; steht eine Anforderung an die Ebenheit in der Zeichnung, gehört auch die Fläche dazu, auf die sie sich bezieht. Ein Ring ohne Bezugsfläche lässt offen, wovon die Parallelität gemessen wird.
Typische Rückfragen bei Hohl- und Flanschteilen
Jede Rückfrage lässt sich vermeiden, wenn die passende Angabe schon dasteht. Die Tabelle zeigt vier Rückfragen bei Hohl- und Flanschteilen und die Angabe, die sie jeweils überflüssig macht.
| Rückfrage | Angabe, die sie erübrigt |
|---|---|
| Welche Fläche ist Bezug? | Bezugsdreieck mit Buchstabe an Innen- oder Außendurchmesser beziehungsweise an der Anlagefläche |
| Welche Sitzart gilt am Innendurchmesser? | Toleranzklasse oder Abmaße am Innendurchmesser, dazu die gewünschte Paarung |
| Ist der Kantenzustand festgelegt? | Fase, Radius oder Sammelangabe nach ISO 13715 |
| Welche Fläche dichtet? | Dichtfläche benennen und mit einer Oberflächenangabe versehen |
Häufige Fragen
Teilkreis und Bohrbild, Zentrierung, Planlauf der Anlagefläche und, falls vorhanden, die Dichtfläche mit Oberflächenangabe. Auch der Kantenzustand sollte festgelegt sein, und die Zeichnung sollte sagen, welche Fläche Bezug ist; dann entfallen typische Rückfragen zu Flanschteilen.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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